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Barstede Aktuell

Marie Riese Haus im Ortsteil Barstede

Der Ortsteil Barstede hat zur Zeit 362 Einwohner.

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Barstede historisch

Altar der Kirche Barstede

Ob die Einwohner von Barstede wohl früher gerne in einem "Abseitsdorf" gewohnt haben ? Aber dafür stand im Ort jahrhundertelang eine "Burg" - und die hatte schließlich nicht jeder !

 

Die ostfriesischen Fürsten fanden an den Barstedern ein besonderes Interesse,was diese aber gar nicht gerne sahen; Zwangsarbeit kann wohl kaum Grundlage eines guten Verhältnisses sein...

Der markante Altar in der Dorfkirche ist von 1644, das Gotteshaus aber mal gerade fünfzig Jahre alt - wie das ?

Auch früher schon war das mit den Lehrern so eine Sache - vor allem, wenn man sich nicht einigen konnte, wer denn überhaupt die eigenen Kinder unterrichten sollte.

Es ist selten, dass ein Pastor sich nicht nur um seine Gemeinde, sondern auch um andere Völker kümmert - aus dem Tierreich nämlich.

Eigentlich war Barstede auch früher ein ganz normales Dorf - oder doch nicht so ganz ?

Wie kommt der Kirchenchor in den Kuhstall, warum fährt man mit dem Fahrrad die Butter nach Aurich, wieso liegt jemand in seiner eigenen Küche begraben ?

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Dorfbeschreibung

Das erste Mal wird Barstede 1408 urkundlich erwähnt; die Ursprünge sind aber sicher schon in frühgeschichtlicher Zeit zu suchen: Das Dorf liegt auf einem Geestrücken, der "Sandhöchte" , die aus einem Sumpfgebiet östlich des "Großen Meeres" herausragt - auf der Moränenkante des ausgedehnten "Forlitzer Beckens" einigermaßen sicher vor den historischen Überschwemmungen. Noch bei der großen Sturmflut von 1827 blieb die Ansiedlung deshalb vom Wasser verschont.Früher wurde Barstede das "Abseitsdorf" genannt: abseits dem "ollen Postweg" zwischen Aurich und Emden, der über Ochtelbur und Riepe führte und Barstede links liegen ließ, und abseits vom Heerweg zwischen Norden und Aurich. Erst 1928 begann man mit dem Bau einer Straße in das Dorf.Ein "Kirchdorf" wurde Barstede durch den Bau seines ersten Gotteshauses um 1280: Nach alten Beschreibungen war es eine einschiffige Kirche mit einem Steingewölbe und gotischen Fensteröffnungen. Schon 1896 war sie einsturzgefährdet; 1953 wurde teilweise auf den alten Fundamenten eine neue, kleinere Kirche im romano-gotischen Stil errichtet. Das jahrhundertealte Inventar blieb: Eine Taufe aus Bentheimer Sandstein um 1200; die Orgel wurde von 1801 von Gottfried Rohlfs aus Esens erbaut - es war die erste Orgel in Barstede; die Kanzel aus dem 17.Jahrhundert mit den Evangelisten-Figuren; Kronleuchter von 1708 und 1883; und schließlich der bemerkenswerte Flügelaltar aus dem Jahre 1644, eine Stiftung des ostfriesischen Grafen Ulrich II. Cirksena und seiner Frau Juliana von Hessen-Darmstadt. 1725 wird er folgendermaßen geschildert : "...so mit zwei Türen versehen ist, die auf- und zugehen, und mit der Passionshistoria, auch inwendig mit der Austeilung des heiligen Abendmahls bemalt sind." Weiterhin oben einen aufgerichteten, weißen Löwen mit roten Streifen am Körper; an der Unterseite eine goldgelbe, gekrönte Harpye (mythische Jungfrau, Wappenbild der Cirksena), und ganz oben die Jahreszahl 1644 .Über die Jahrhunderte erhalten ist der freistehende Glockenturm aus der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts, der zwei Glocken beherbergt; diese Konstruktion eines "Parallelmauerturms" ist typisch für das Auricherland. Der jetzige Friedhof wurde um ein Grundstück erweitert, auf dem bis 1950 das kirchliche Armenhaus gestanden hatte; dort wohnten bis zuletzt zwei Familien, unter anderem auch Hemmo Hildebrandt. Der wurde dann später auf der Erweiterung beerdigt, sodass es jetzt heisst: "Hemmo liggt nu in sien Köken (Küche) bigraben."Die Pastoren von Barstede sind seit 1540 namentlich bekannt; den Älteren im Dorf ist noch der "Imkerpastor" Johann Heimerich Winfried Riese in Erinnerung, der in Barstede von 1883 bis 1931 amtierte, über Bienen forschte und 1886 den "Ostfriesischen Imkerverein" gründete. Er besaß übrigens als erster Pastor in Ostfriesland ein Fahrrad.Seine Tochter Marie Antoinette lebte bis zu ihrem Tode 1988 im alten Pfarrhaus, spielte die Orgel, gründete den Frauenverein, einen Kirchen- und Flötenchor - Generationen von Barstedern nannten sie einfach "Tant Marie".Die erste Nachricht über eine Schule am Ort datiert vom Anfang des 18.Jahrhunderts. Aufregung gab es in Barstede 1785 bei der Wahl eines neuen Schulmeisters: die Wahlberechtigten Bauern spalteten sich in zwei Parteien, die ziemlich rabiat ihren Kandidaten unterstützten. Die geistliche Schulaufsicht in Aurich musste daher dem preußischen Ministerium nach Berlin berichten: "Der ostfriesische Bauer ist wohl geneigt, bei dergleichen Wahlen Zank und Wehgeschrei zu erregen ...". Obwohl der Pastor mit der Lösung nicht einverstanden war, wurde schließlich einer der Kandidaten eingesetzt - und blieb dann immerhin fast 30 Jahre lang Lehrer für die Barsteder Kinder.Was die größeren Auseinandersetzungen anbetrifft:Auch von Kriegsereignissen blieb man im "Abseitsdorf" nicht verschont.So wurde Barstede im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) mehrmals geplündert und ausgeraubt.Die Landwirtschaft war immer der Haupterwerb im Dorf; professionelles Handwerk war nicht anzutreffen. Die Milch wurde in Barstede auch selbst zu Butter verarbeitet; über den Ems-Jade-Kanal verfrachtete man, bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg, die 25-Pfund Butterpakete nach Emden und Aurich. Ein und zwei Pfund Pakete packte man schon mal aufs Fahrrad, und verkaufte so die Butter in Auricher Haushalten.

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Plaats "Schatthaus"

Plaats "Schatthaus" in Barstede

Der markante Bauernhof "Schatthaus" hat eine lange Geschichte:

1448 erbaut ein Udde Riekena ein Steinhaus, das mehr wie eine Kirche als eine "Burg" aussah; später kommt das Gut in die Hände der ostfriesischen Grafen und Fürsten, die es an hohe, adlige Beamte weiterverpachten. 1712 wird aus dem Anwesen ein gewöhnlicher, großer Bauernhof - eben das "Schatthaus". Die Burg wird 1790 abgebrochen; das jetzige Wohnhaus stammt von 1911.

Die ostfriesischen Fürsten hat man im Dorf nicht gerade in guter Erinnerung: Die Barsteder Bauern gehörten zu einem der größten Herrendienst-Aufgebote, die es in Ostfriesland gegeben hat. Auf der "Herren-Meede", einem weiten Grünland zwischen Aurich und Emden, waren sie mit den Einwohnern aus mehreren anderen "Loogen" (Dörfern) jahrhundertelang verpflichtet, für die Obrigkeit das Heu zu mähen und es einzubringen. Über tausend(!) Menschen waren so jedes Jahr im Sommer auf der "Herren-Meede"; sie waren mit Brot, Butter, Käse, Speck und Bier zu versorgen − aber "doodknojen" (totarbeiten) für die Herrschaft lag ihnen nicht. So wurde diese Zwangsarbeit 1788 abgeschafft - natürlich gegen eine Ablösesumme!

Heute existieren in dem ca. 1.000 ha großen Dorf noch acht größere Bauernhöfe; die Landwirtschaft spielt nicht mehr die herausragende Rolle wie früher.

Zu dem jetzigen, ca. 400 Einwohner zählenden Ortsteil Barstede gehört auch Neu-Barstede. Diese Kolonie wurde auf den Torfmoorflächen des alten Dorfes angelegt und kam erst 1822 zum Kirchspiel. Die äußeren Bedingungen waren hier anfangs nicht gerade günstig; so musste man noch im 19.Jahrhundert gegen Überschwemmungen ankämpfen.

Bernd Buttjer

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